Facebooks Zensurrichtlinien

„Lasst uns fette Kinder schlagen!“, „Ich hoffe, dass dich jemand umbringt!“, „Frauen mit roten Haaren sollte man verprügeln!“ Harte Worte, die auf Facebook nicht verboten sind. Die Kritik am sozialen Netzwerk nimmt in den letzten Jahren zu. Jetzt der Schock! Der britischen Zeitung „The Guardian“ wurden Dokumente zugespielt, die den Umgang mit Inhalten für Moderatoren zeigen.

10 Sekunden

Mehr Zeit sollen die Mitarbeiter oft nicht haben um eine Entscheidung zu treffen. Im Sekundentakt soll entschieden werden, ob die Nachrichten akzeptabel sind oder nicht. Angesichts der Milliardenzahl an Usern gestaltet sich das als Sisyphosaufgabe. Moralisch schwierige Aufgaben, bei der die Wertungen von Kultur zu Kultur unterschiedlich ausfällt, können kaum in Sekunden getroffen werden. Doch wie entscheiden Moderatoren, wie Inhalte zu bewerten sind?

Die Schrecken des Krieges

Geleaked wurden über 100 Trainingsbuchseiten, weshalb wir nur auf die wichtigsten Aspekte eingehe. Bereits 2016 kam es zu einem Skandal. Facebook löschte Bilder der sechsjährigen Kim Phuc, die nackt und weinend von einem Napalm-Angriff flüchtet. Grund war die nackte Darstellung des Mädchens. Unter dem Aspekt „berichtenswerter Ausnahmen“ wurde das Bild wieder genehmigt.

Der Hintergrund bildet sich aus dem Wunsch Facebooks, seine Nutzer vor beunruhigenden Inhalten zu bewahren, gleichzeitig jedoch die Meinungsfreiheit zu garantieren. Tod hingegen ist ein relativ offenes Thema. Videos eines gewaltsamem Todes beispielsweise sind in Ordnung, solange sie ein Problembewusstsein schaffen.

Menschen, die sich in Videos selbst verletzen sollen nicht gelöscht werden. Man wolle niemanden bestrafen, der sowieso schon leide und hoffe auf Freunde und Familie, die so auf die Person aufmerksam werde.

Nackte Tatsachen

Nackte Haut bleibt ein rotes Tuch für Facebook. Nacktheit sei allenfalls in Form von handgefertigter Kunst akzeptabel. Digital erschaffene Nacktheit bleibt tabu! Zu den Entscheidungen rechtfertigt sich Facebook: „Wir glauben, Minderjährige brauchen Schutz, Erwachsene brauchen eine Wahl.“ Im Endeffekt soll man die meisten Bilder relativ leicht runterbrechen können.

Bilder und Videos, die nicht-sexuellen Kindesmissbrauch darstellen, sollen bestenfalls als „beunruhigend“ gekennzeichnet werden. Dementsprechend sei es in Ordnung Bilder und Videos von Kindern zu veröffentlichen, die geschlagen werden – sofern der Kontext keinen sexuellen oder sadistischen Hintergrund habe. Es sei gewünscht, um Kindern zu helfen, die missbraucht werden.

Plan oder Emotion?

Facebook sieht sich selbst als emotionales Onlineventil für Ärger und Wut. Menschen, die Dinge wie: „Ich werde dich töten“ posten, sollen demnach nicht bestraft werden. Auf Facebook würden Menschen ihrem Unmut Luft machen, weshalb nur konkrete Pläne eines Gewaltakts gegen die Richtlinien verstoßen würden. „Verschwinde und stirb“, sei nicht glaubwürdig genug und somit nur ein Ausdruck von Abscheu.

Doch gibt es auch hier eine Sonderregelung. Sofern es sich um eine Person der Kategorie „geschützt“ handelt, sind diese Posts nicht zulässig. Im Eingang genannte Sätze wie „Lasst uns fette Kinder schlagen“, bleiben also ein emotionaler Ausbruch von Unmut. „Lasst uns Trump schlagen“ hingegen, ist ein klarer Angriff auf Trump und muss deshalb zensiert werden.

Fazit

Viele Richtlinien wirken auf uns sinnlos und weit hergeholt. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass Facebook ein weltweites Netzwerk ist. Eine allgemein gültige Richtlinie ist somit schwierig zu ermitteln. Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Ideen haben nun mal meist auch unterschiedliche Meinungen. So werden laut Monika Bickert – Zuständige für weltweite Richtlinien bei Facebook – immer Grauzonen entstehen.