Facebook jetzt doch mit Paywall?

Bargeld

Seit dem umstrittenen Datenskandal berät Facebook wieder zunehmend offen über ein neues Geschäftsmodell. Statt sich durch personalisierte Werbung zu finanzieren, spricht der Konzern von einer bezahlten Alternative.

Die Idee ist nicht neu. Schon vor Jahren schlugen Datenschützer Facebook vor, der Werbeplattform abzuschwören und stattdessen ein Abo einzurichten. Zuckerberg und Co. zeigen sich wenig interessiert. Eine bezahlte Alternative zum Datensammler möchten – so Zuckerberg – weder die Nutzer, noch das Unternehmen. Die klare Position: Facebook ist kostenlos und Facebook soll kostenlos bleiben. Dabei wäre das Konzept durchaus bezahlbar.

Was kostet Facebook?

Weniger als Netflix oder Amazon Prime. Experten haben bereits vor Jahren den Kostenpunkt für ein Abomodell überschlagen. Etwa 7 $ verdient das soziale Netzwerk monatlich mit jedem amerikanischen Nutzer. Der europäische Wert könnte etwas höher liegen, wird sich jedoch in einem ähnlichen Raum bewegen. Netflix bewegt sich aktuell zwischen 9 und 13 $. Amazon Prime liegt bei einem monatliche kündbaren Abo von 11 $.

Ein Abo wäre somit durchaus denkbar. Bisher bietet Facebook unterschiedliche „Opt-Out-Möglichkeiten“, so Sheryl Sandberg, die CO-Geschäftsführerin des Konzerns. Ein kompletter Ausstieg aus dem Datensammler sei jedoch nicht möglich. Dazu müsste eine Bezahloption gewählt werden.

Facebooks Geschäftsmodell

Der Datenskandal macht klar, dass viele Nutzer sich nach wie vor nicht darüber bewusst sind, wie Facebooks Geschäftsmodell funktioniert. Werbetreibende können in dem Netzwerk gezielt Werbung ausstrahlen. Durch gesammelte Daten kann der Dienst genau die Personengruppen ansprechen, die er erreichen möchte. Für Marketer bedeutet das ganz neue Möglichkeiten in Arbeit und Auswertung. Statt mit Medien wie dem Fernseher oder Plakaten so viele Menschen wie möglich zu erreichen und Erfolge zu erhoffen, kann eindeutig gemessen werden, wie erfolgreich sich die Maßnahmen gestalten.

Fakt ist, irgendwie muss sich das Unternehmen finanzieren. Wer seine Daten behalten möchte, muss die Dienstleistung bezahlen. Obwohl eine Alternativ günstig wäre, stellen sich viele Nutzer quer.

Leere Taschen

Keine Zahlungsbereitschaft

Laut der Washington Post sei jedoch nicht einmal jeder fünfte User bereit, diesen monatlichen Betrag zu zahlen. Ein Für US-Verhältnisse eher kleiner Betrag könnte in manchen Ländern außerdem unbezahlbar werden. Laut Zuckerbegr soll Facebook jedoch für jeden Menschen auf der Welt zugänglich bleiben. Niemand soll aus dem internationalen Austausch ausgeschlossen werden. Tatsächlich ergab die Umfrage sogar ein überraschendes Ergebnis. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie von Facebook bezahlt werden sollten.

Zahlen die Zuckerberg in seiner Meinung nur stärken. Für den sozialen Dienst möchte wohl niemand auch nur einen Cent in die Hand nehmen. Ob eine reale Umsetzung oder zumindest Alternative tatsächlich so schlecht aufgenommen würde, bleibt offen. Zumindest scheint der erste Eindruck nicht berauschend.

Ein vielfältiges Angebot

Genau genommen hat der Dienst im letzten Jahr immer mehr mit Bezahltinhalten geliebäugelt. Unter anderem möchte das Unternehmen den Video- und Streamingmarkt erobern und den Platzhirschen YouTube und Netflix mit individuellen Inhalten die Poleposition abluchsen. Auch Nachrichteninhalte sollen zukünftig auf Facebook bezahlt werden. Obwohl das soziale Netzwerk also kostenlos bleiben soll, werden wohl einzelne Inhalte kostenpflichtig sein.